Geschichten die das Leben schreibt

Der Traum vom Shire Horse

Mit großen wachen Augen schaut mich das riesige Pferd vertrauensvoll an. Charly, so heißt der Wallach, schenkt mir genau das gleiche Vertrauen, wie ich es ihm schenke. Sehr vorteilhaft für unser Kennenlernen, finde ich. Ich muss weit nach oben schauen. Und je näher ich komme, umso mächtiger wird die rotbraune Wand vor mir, welche auf tellergroßen Hufen steht. Charly ist ein Shire Horse, ein allein durch seine Größe sehr beeindruckendes Pferd. Sein Stockmaß schätze ich auf 1,80 m, sein Gewicht auf 900 kg. Sein großer Kopf lässt mich überlegen, wie umfangreich das Zaumzeug für ihn aussehen muss. Die lange, etwas struppige Mähne, der Behang seiner 4 Füße, der kräftige Schweif – alles perfekt in Shire-typischer „Ausstattung“. Ein paar Kilo Fleisch mehr könnte er noch tragen, aber das ist im hohen Alter nicht mehr ganz so einfach. Die weißen Haare in seinem schönen Gesicht sind unverfälschte Zeugen seines Alters. Charly zählt 25 Jahre. Dementsprechend zeigt sich auch sein rassetypisch sanftes Gemüt noch etwas gelassener. Immerhin spürt er bei jeder Bewegung seine Knochen, sagt mir seine Besitzerin Hannelore Wolpert. Ihm geht es, wie einem alten Menschen. Die Arthrose plagt hier und da, mal mehr, mal weniger.

                     Pferdefotografie Shire Horse

Frau Wolpert ist sehr glücklich darüber, ihren Charly noch bei sich zu haben. Im Offenstall darf er seinen Lebensabend mit Shire-Kumpel Jumper genießen und gemütlich im Wohlfühltempo über die Wiese trotten. Die Pferdepension Wolpert, die Hannelore zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn betreibt, bietet dafür die optimalen Bedingungen.

Charly lebt seit seinem ersten Lebensjahr bei Hannelore Wolpert. Er zog als Fohlen auf dem Hof ein. Das Shire Horse trug sein Frauchen auf so manchem Trail. Zusammen unterwegs sein, das war es, woran beide ihre große Freude hatten. Es waren herrliche Zeiten in Gemeinsamkeit. Charly legt seinen Kopf an Frau Wolpert, als sie mir mit glänzenden Augen von den Erlebnissen mit ihrem großen Pferd erzählt.

Voller Begeisterung höre ich zu und ich spüre die Liebe und das gegenseitige Vertrauen der beiden nur zu gut. Ein wohliger Schauer zieht während dem über meinen Rücken. Im wahrsten Sinne schwer beeindruckt verlebe ich die Zeit bei den Shire Horses von Frau Wolpert. Als die schlanke Frau die riesigen Hufe säubert und dabei die „Bein-Säulen“ auf ihren Oberschenkel legt – natürlich kumpelhaft unterstützt durch ihren Charly, der seine Beine so gut es ihm noch möglich ist selbst hielt – staune ich nicht schlecht.

Gestern wurde Charly bereits „grundentstaubt“, damit er heute ordentlich sauber da steht. Nun putzt Frau Wolpert noch über das Fell, welches jetzt im September schon langsam in den Wintermodus übergeht. Auf der rauen Alb sind die Nächte halt schon eher kühl. Die Mähne wird – soweit möglich – entfitzt, von kleinen Kletten befreit und gebürstet. Gleiches gilt für den prachtvollen und für Shire Horses typischen Beinbehang. Und warum das Ganze? Weil wir uns heute für ein Fotoshooting der Shire Horses getroffen haben. Frau Wolpert weiß genau, dass die Zeit mit ihrem treuen Kumpel Charly endlich ist. In ihrer Erinnerung sind die traumhaften Jahre mit dem großen Pferd fest verankert. Als Krönung fehlen aber noch unvergessliche und ansprechende Fotos ihres Shires.

Heute bereiten wir uns also gegenseitig eine große Freude. Frau Wolpert bekommt ihre Fotos, auf denen ich ihren Charly in seinem Wesen einfange. Und ich habe endlich Shire Horses ganz für mich allein vor meiner Kamera. Wie lange schon träume ich davon, diese sanften Riesen in aller Ruhe und Besinnlichkeit fotografieren zu können.

Was für ein schönes Erlebnis. Rundum :)

                              Pferdefotografie Shire Horse



Wunsch nach einer Zeichnung

Rike ist glückliche Besitzerin von drei Pferden. Sie lebt mit ihrem Mann und den Pferden auf einem kleinen Anwesen in der Nähe von Esslingen. Die junge Frau liebt ihre vierbeinigen Freunde über alles. Ein Leben ohne sie kann sich Rike mal so gar nicht vorstellen. Ihre Wallach-Herde besteht aus

Jashid, dem Araber,                Araberwallach


Kronengold, dem Trakehner Trakehnerwallach  und


Lumpi, dem Haflinger  Haflingerauge


Jashid ist ihre stolze Schönheit. Er ist sehr besitzergreifend und legt unheimlich viel Wert darauf, als erster begrüßt zu werden und als erster Rike‘s Streicheleinheit zu bekommen.
Kronengold ist es besonders wichtig, von Rike ausgiebig gelobt zu werden. Er ist ein richtiger Streber, übereifrig bei jeder abgefragten Lektion.
Und Lumpi ist ihr Fels in der Brandung, für alles zu haben, ruhig und gelassen. Für Rike’s 6-jährige Nichte Emma ist Lumpi ein zuverlässiges Lehrpferd. Hochanständig trägt er das Mädchen auf seinem Rücken Runde um Runde auf dem kleinen Reitplatz am Haus.

Rike weiß um ihr Glück, diese drei Pferde zu besitzen und mit ihnen zu leben. Seit einiger Zeit spielt sie mit dem Gedanken, ihre Pferde von einer Malerin zeichnen zu lassen. Für die Ewigkeit sozusagen. Das Inserat einer Tierzeichnerin im letzten Pferdemagazin kam da gerade richtig. Rike ruft diese Künstlerin an und erzählt von ihrem Wunsch, ihre Pferde in ihrer Schönheit und mit der jeweiligen Eigenart auf einem Gemälde verewigt zu wissen. Die beiden einigen sich zum Format, über die Zeichentechnik, über den Preis. Freie Kapazitäten hat die Künstlerin erst wieder in einem halben Jahr. Spätestens bis dahin soll ihr Rike aussagekräftige Fotos der Pferde zukommen lassen. Die würde die Künstlerin als Vorlage nehmen, damit sie die Pferde so identisch wie möglich zeichnen kann.

Wie soll Rike an aussagekräftige Fotos kommen? Sie ist doch die einzige, die ihre Pferde in- und auswendig kennt! Hm... Also versucht sie mit ihrem Handy, ein paar Portraits von Jashid, Kronengold und Lumpi zu knipsen. So toll gelingt das leider nicht. Wo war die Schönheit von Jashid auf den Bildern geblieben? Kronengold sieht auf dem Schnappschuss überhaupt nicht so aus, als ob er bestrebt ist, auf Kommando zu steigen. Und Lumpi zeigt sich beinahe gefährlich und entstellt. Auf dem Bild ist ein riesengroßer Haflingerkopf mit einem kleinen Körper zu sehen. Rike besinnt sich und googelt nun nach jemanden, der sich damit auskennt.

"Anja Blum – Pferdefotografie in Esslingen, Göppingen, Baden-Württemberg, weltweit" steht da geschrieben. Rike gefallen die Fotos in der Onlinegalerie der Fotografin. Nun muss sie nur noch anrufen. Das fällt ihr ein wenig schwer, da sie mit einem großen Rummel für die Pferdefotos rechnet, was sie überhaupt nicht mag. Aber ohne Fotos scheint es auch kein Gemälde zu geben. Da wird sie wohl in den sauren Apfel beißen müssen. Also ruft sie an. Nach einer Weile meldet sich eine freundliche Stimme und Rike berichtet ihr Anliegen. Die Fotografin vertröstet sie auf einen Rückruf am Abend, da sie gerade auf der Schwäbischen Alb bei einem Shooting ist. Rike ist irgendwie ganz froh, schnell wieder auflegen zu können. Denn ihre Nervosität ist beinahe lähmend. Sie hasst großen Trubel um sich und ihre Pferde, sie mag kein unnatürliches, gestelltes Umfeld auf Fotos. Und ohne dem kann sie sich ein Fotoshooting für Pferde überhaupt nicht vorstellen...

... Pünktlich wie vereinbart ruft die Pferdefotografin zurück. Rike steht bei ihren Pferden, als ihr Handy klingelt. Lange redet sie mit der Pferdefotografin, die ihr während des angenehmen Gesprächs den Großteil ihrer „Angst“ nehmen kann. Wie einfühlsam diese Frau auf ihre Wünsche antwortet, ist schon ein guter Anfang. Nachdem sie einen Termin für das Shooting finden, drückt Rike mit einem guten Gefühl den roten Hörer auf ihrem Smartphone.

Drei Wochen später ist der Shootingtermin ran. Rike putzt Jashid, Kronengold und Lumpi gründlich. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass die Pferdefotografin bald kommen müsste, als die auch schon um die Ecke biegt. Rike wird herzlich begrüßt. Dann stellt sie der Fotografin ihre Pferde vor. Natürlich ist Jashid wieder der erste, der seine Nase hinhält. Rike erklärt, erzählt, verhaspelt sich, ist aufgeregt. Doch die Ruhe, die die Fotografin ausstrahlt und deren Feinfühligkeit lassen Rikes Aufregung Stück für Stück verschwinden. Das Fotoshooting gestaltet sich zu einem richtig schönen Erlebnis für Rike und ihre Pferde. Ohne Trubel, ohne unnatürliche Darstellung der Pferde, mit viel Ruhe und Sachverstand.

Und 2 Wochen später hält Rike wunderschöne Fotos in der Hand, die allesamt beste Vorlagen für die Tierzeichnerin sind. Die schwere Entscheidung der Auswahl hat aber nun Rike ganz allein ;)



Ein Foto – mehr als nur ein Bild!

Beeindruckt schaute das kleine Mädchen dem Fohlen zu, wie es gierig am Euter der Mutterstute saugte. Dabei dachte es sich, ob es der Mama wohl weh tut, wenn das Pferdebaby so stupft? Das sah schon ziemlich rabiad aus. Das Mädchen wusste mit ihren 10 Jahren noch nicht, dass Fohlen durch das Stupfen den Milchfluss in Gang setzen und dass es gar nicht so grob ist, wie es manchmal aussieht.

Viel besser gefiel es ihm natürlich, wenn das herzige Fohlen mit dem weißen Stern auf der Stirn neugierig zu ihr kam und sie es ausgiebig streicheln konnte. Viel Zeit verbrachte sie bei diesem kleinen Fuchsfohlen, das seiner Mutter „Goldblume“ sehr ähnelte. Sie erzählte ihm ihre Gedanken, beobachtete das hübsche Tier, stellte sich vor, es sei ihr Fohlen ... wie wunderbar in der Gegenwart des Fohlens alles war. Fohlen, Pferdekind - Lebewesen brauchen einen Namen! Sie taufte das Pferdebaby einfach „Goldblümchen“.

Tagein tagaus besuchte das kleine Mädchen ihr „Goldblümchen“ und vergaß dabei meist, zu den Eltern zurückzukehren. Nicht selten kam der Vater sie holen. Denn er wusste natürlich bald, wo sich seine kleine Tochter herumtrieb :)

Das Mädchen hatte das Glück, 3 Wochen intensiv mit ihrem „Goldblümchen“ verbringen zu dürfen. Wie ein Glück erschien es ihr aber so ganz und gar nicht, denn der Abschied nach den 3 Wochen war tränenreich, schmerzhaft und einfach schlimm. Warum dann aber der Abschied? Nun, das Mädchen verbrachte mit ihren Eltern einen traumhaft schönen Reiturlaub in Mecklenburg. Kennt jemand das heutige Reitsportzentrum Alt Sammit, eine Außenstelle des Gestüts Ganschow? Genau dort lebte vor vielen Jahren die Mecklenburger Stute „Goldblume“ mit ihrem „Goldblümchen“. Und für 3 Wochen im Jahr das kleine Mädchen.

Einige Jahre später besuchte die inzwischen erwachsene Frau das Gestüt Ganschow und machte natürlich den Abstecher nach Alt Sammit. Der Reitbetrieb für Urlauber fand immer noch statt, Stutenherden genossen die großen Weiden und die Fohlen gediehen prächtig. Die junge Frau begriff schon zeitig in ihrem Leben, wie die heilsame Magie der Pferde auf sie wirkte und so zog es sie auch bei ihrem Besuch auf die Weide zur Herde. Sie setzte sich  an den Rand und genoss die edlen Tiere. Sie beobachtete das sich in Herden immer wiederholende Ritual: Anfangs heben alle Pferde den Kopf und schauen, wer da kommt und was passiert, um sich dann gleich wieder dem frischen Gras hinzugeben. Sie beobachtete dies bei allen Pferden auf dieser Koppel, außer bei einer Stute...

Diese Fuchsstute kam langsam zu der jungen Frau, die entspannt an den Pfosten gelehnt dort saß. Kurz vor ihr blieb sie stehen. Die Frau glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Die Stute besaß denselben Stern auf der Stirn, wie ihr „Goldblümchen“ von vor vielen Jahren. Konnte das wirklich wahr sein? Stand IHR „Goldblümchen“ wieder vor ihr? Dieses Fohlen, welches sie über alles geliebt hatte? Ein altes, qualitätsmäßig den Jahren zum Opfer gefallenes Schwarz-Weiß-Foto in ihrem Geldbeutel sollte Gewissheit bringen. Tatsächlich, alle Abzeichen des Pferdes – der Stern auf der Stirn, der rechte weiße Vorderfuß und die halbweiße Fessel hinten links – stimmten mit denen des Fohlens auf der alten Fotografie überein. Tränen stiegen ihr in die Augen. War es nur Pferdeneugier oder sollte diese Stute sie am Ende wiedererkannt haben?


Zu 100 % habe ich das nie herausgefunden, jedoch bin ich an diesem Abend mit dem Wahnsinnsgefühl ins Bett gegangen, eine alte Bekannte wiedergefunden zu haben, mein "Goldblümchen". Ein altes, halb zerknittertes Foto half mir, Gewissheit erhalten zu haben – wie wunderbar!

Pferdefotografie Haflingerfohlen




Wie kam ich zur Pferdefotografie?

Oft schon fragten mich Freunde, Bekannte und Kunden, warum und wie ich Pferdefotografin wurde. Dazu möchte ich hier auszugsweise eine Geschichte erzählen, die im Roman „Grundglück“ nachgelesen werden kann.

... Es war mitunter so unsagbar schwer, der Wahrheit ins Auge zu schauen. Dem Rappen ging es schlecht. Dass das wunderschöne Tier leidet, permanente Schmerzen ertragen muss, nein, das wollte Lisa auf keinen Fall. Einfaches Schmerzmittel brachte schon gar keine Linderung mehr. Sie rief Cilly an und bat sie, in den Stall zum Rappen zu kommen. Die kam so schnell es ging, denn in Lisa’s Stimme schwang panische Dringlichkeit. Sie traf Lisa in der Box, mit vom Weinen verquollenen Augen.

„Lisa!“, sagte Cilly sanft „Was ist passiert?“

„Cilly, ich kann diesem tollen Pferd die starken Schmerzen nicht mehr zumuten. Der Doc hat ihm vorhin Morphium gespritzt, damit es etwas erträglicher für ihn ist.“ Lisa kamen erneut die Tränen. „Wir werden ihn morgen einschläfern.“

„Ach Lisa ...“ Cilly nahm ihre Freundin in den Arm und sagte nichts mehr. Sie war einfach nur da. Und diese Nähe tat Lisa gut, sie beruhigte sich ein wenig.
Nach einer Weile fragte Cilly: „Weißt du, wie die traurigen Gedanken etwas gemildert werden?“

„Nein, da kann ich mir beim besten Willen nichts vorstellen.“ Lisa musste sich erst einmal die Nase putzen.

„Stell‘ dir vor, der Rappe geht über eine Regenbogenbrücke. Er wird dabei immer stolzer und schöner. Sein Fell glänzt, er schreitet selbstbewusst voran. Seine Mähne weht im Wind. Am Ende der Brücke wird es immer heller und plötzlich wiehert er mit all‘ seiner Kraft. Dann dreht er sich noch einmal um, grummelt in deine Richtung. Genauso, wie er dich immer begrüßt hat, weil er wusste, du hast eine Karotte dabei. Er blickt lange zu dir, bevor er seinen Kopf majestätisch in Richtung des Lichts dreht und erhaben los trabt. Am Ende der Regenbogenbrücke ist die Wiese saftig grün und viele Pferde begrüßen ihn wiehernd. Er ist angekommen.“

„Wie schön das klingt.“

...

Der Doc kam pünktlich. Das Pferd zitterte am ganzen Körper, sein Blick war gebrochen. Lisa drehte sich bei diesem Anblick das Herz im Leib um. Sie streichelte seinen Kopf. Ob der Rappe das noch spürte? Was wird in dem Tier jetzt wohl vorgehen? Panik? Nur Schmerz? Resignation?

„Lisa, halt bitte den Kopf. Ich gebe zunächst ein Narkosemittel. So schläft er wie zu einer OP. Danach injiziere ich das Gift.“ Die Narkose wirkte schnell. Der Rappe fing an zu schwanken, sein Kopf war tief. Er verlagerte sein Gewicht nach hinten, die Hinterbeine knickten ein und der schwere Körper sackte zusammen.

Lisa kniete sich neben das Pferd, nahm den Kopf auf ihren Schoß und streichelte ihn. Dabei schluchzte sie leise in sich hinein. Cilly stand daneben und konnte vor lauter Tränen kaum etwas sehen.
„Mach’s gut, mein Schwarzer. Danke für alles. Es geht dir gleich besser.“ Lisa sprach zu ihrem Pferd. „Ich werde dich immer in meinem Herzen tragen, du warst etwas ganz Besonderes.“

Der Doc setzte das Tötungsmittel. Es dauerte nur einen Bruchteil an Zeit und das Pferd war tot. ...


Dieses – mein Traumpferd war nun von all‘ seinen Leiden erlöst. Dass mein Cincinnati jetzt mit vielen anderen Pferdekumpels über die große grüne Wiese der Ewigkeit galoppieren konnte, schenkte mir eine heiße Welle voller Glücksgefühl. In dem Moment, als sich seine Seele auf den Weg machte – genau in diesem Moment – fielen alle Sorgen und Nöte von mir ab und eine befriedigende Ruhe ergriff Besitz von mir.

Unzählige Gedankenfilme über unsere gemeinsamen Stunden liefen in meinem Kopf. In meinem Herzen hatte das wundervolle Pferd seinen unverrückbaren Platz. Aber was hatte ich an Bildern, an Fotos, die ihm gerecht wurden? Nichts! Nichts außer Fotos eines grasenden Pferdes. Nichts außer unscharfen Bildern beim Reiten. Nichts außer ein paar Aufnahmen nach einem ausgiebigen Schlammbad. Auf alle Fälle nichts, was seine edle Erscheinung und sein treues Wesen treffend darstellte!

Der Kummer und der Verlust meines vierbeinigen Freundes verließen mich lange nicht. Doch meiner Liebe zu allen anderen Pferden tat das keinen Abbruch. Und so kam eins zum anderen: So wie mir sollte es keiner pferdeliebenden Person mehr ergehen! Einmalige Fotos sollten die Pferde zeigen, wie sie sind und wie sie im Herzen des Menschen leben!

Die Kamera, mit der ich schon viele Jahre Landschaften und die Familie fotografierte, gab es schon. Nun galt es „nur“ noch, die Raffinessen der Fotografie von Pferden zu erlernen. Interessante Lehrjahre begannen. Oft geriet ich an scheinbare Grenzen: zu dunkle Fotos, unscharfe Augen, ausgefressene Farben, zu krasse Kontraste, keine gute Trab- oder Galoppphase ... Die Grenzen waren aber eben nur scheinbar. Nichts hält mich so schnell auf, wenn eine Idee in meinem Kopf sitzt, die nach Umsetzung schreit. Mein Plan hieß „Pferdefotografin werden“. Nach vielem Lernen, Ausprobieren und Verstehen gelangen bald regelmäßig gute Fotos. Die ersten Aufträge im Freundeskreis bestärkten mein Vorhaben. Weiter lernen, weiter Neues probieren, weiteres Verstehen – und das ständig – brachten mich über viele Jahre dahin, wo ich heute stehe: zur gut gebuchten Fotografin, zur anerkannten Workshop-Leiterin, zur glücklichen Anbieterin von Reiter- und Pferdefotografie-Reisen. Darüber bin ich sehr glücklich.

Ich kann aus tiefster Überzeugung und aus eigenem Erleben wirklich jedem nur empfehlen: Träumt nicht euer Leben, lebt euren Traum! Egal was eure Leidenschaft ist, was euer Herz zum Klingen bringt. Vertraut eurem Gefühl! Findet Wege!

             Pferdefotografie schwarzes Portrait